Virtuelles Wasser ist echtes Wasser
Geschrieben von Axel Christ • Donnerstag, 13. August 2009 • Kategorie: Der erste Artikel, Stand der DingeDer Begriff “Virtuelles Wasser” hat das Potential zur echten Spaßbremse. Deshalb hier eine Linie. Als letzte Chance, nicht weiter zu lesen.
Na dann. Die eine Tasse Kaffee, die ich gerade trinke, sorgt für einen Verbrauch von ungefähr 140 Litern Wasser. BAM.
Das liest sich übel, für uns passionierte Wassersparer in diesem Land. Der hohe Wert setzt sich aus dem Verbrauch wärend der Anzucht der Kaffee-Pflanzen, der Verarbeitung der Bohnen, der Herstellung der Verpackung und des Transportes zusammen. Es handelt sich um richtiges, handfestes Wasser, welches tatsächlich verbraucht wird.
Deshalb finde ich den Begriff “Virtuelles Wasser” schlecht gewählt. Für mich klingt “virtuell” nach etwas nicht realem. Das ist zwar falsch1, hat sich aber so eingebürgert.
Und nun? Wie soll man auf dieses Wissen reagieren? Ist das überhaupt ein Problem? War das nicht ohnehin schon immer so? Soll man jetzt plötzlich auf Alles verzichten? Die richtig große Bremse zu ziehen werde ich hier nicht vorschlagen, denn dann macht ja keiner mit. Ich sage lieber: Lest euch mal in das Thema rein, denn mit etwas Hintergrundwissen kann man im Supermarkt viel Wasser sparen, ohne am eigenen Leben allzuviel zu verändern.
Die Herkunft ist entscheident
Gerade bei Lebensmitteln (Obst und Gemüse) reicht es oft aus, einfach mal zu schauen, wo sie her kommen. Bei der Tomate machen typische Bio-Kunden automatisch alles richtig, indem sie (aufgrund des Transportweges) der Deutschen Tomate den Vorzug vor der Spanischen geben. Letztere wird im wasserarmen Süden mit Hilfe künstlicher Bewässerung hochgepäppelt und verbrauchen bis zu doppelt so viel Wasser, wie bei uns. Bei Bananen ist es weniger intuitiv. Hier sind die aus Lateinamerika denen aus Afrika vorzuziehen. Tee ist sehr viel effizienter, als Kaffee. Das wird nur wenige Kaffee-Trinker zur Umstellung bringen, sie sollten dann zumindest Bio-Kaffee kaufen. Auch der geringere Einsatz von Düngern und Pestiziden wirkt sich hier aus, denn diese Stoffe verunreinigen das Grundwasser.
Soziale Probleme
Gerade in armen Gegenden werden häufig Pflanzen angebaut, die dort nicht heimisch sind, weil auf dem Weltmarkt ein guter Preis geboten wird. Dafür ist dann oft viel künstliche Bewässerung nötig. Wenn Staaten versuchen, den Wasserverbrauch zu regulieren, werden von den Bauern illegale Brunnen gebohrt. Durch eine Regelung der Im- und Exporte verschiedener Länder könnten Unmengen an Wasser eingespart werden. Wenn wir viel aus einem trockenen Land kaufen, in dem nicht gerade Regenzeit ist, tauschen wir dabei immer auch Geld gegen Wasser. Für die Gegenseite ist das ein schlechter Tausch, da Geld nicht glücklich macht. Aber welche Institution soll einem Land vorschreiben, wie es handeln darf? Diese Macht hat einzig und allein der Verbraucher. Dem könnte als Faustregel gelten, dass man alle Obst- und Gemüsesorten aus der Gegend kaufen sollte, in der die Pflanzen wild-wachsend überleben können.
Andere Produkte
Virtuelles Wasser hat keinesfalls nur mit Obst und Gemüse zu tun. Im Gegenteil. Für ein Kilo Rindfleisch liegt der Wasserverbrauch bei 15.500 Litern! Für eine Jeans gehen 11.000 Liter den Bach runter, für einen PC 20.000 Liter. Auch beim wachsenden Bio-Sprit-Markt darf man den Wasserverbrauch nicht vernachlässigen.
Weitere Quellen
Zu diesem Thema gab es einen sehr lesenswerten Artikel in der Zeitschrift Schrot & Korn2. Auch die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. hat eine informative Seite online3. Es lohnt sich, dort weiter zu lesen. Wer des Englischen mächtig ist, sollte außerdem mal bei waterfootprint.org4 vorbei schauen, dort gibt es auch weiterführende Artikel und Studien zum Download.
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Virtualität
2 http://www.schrotundkorn.de/2009/200906sp02.php
3 http://www.virtuelles-wasser.de/
4 http://www.waterfootprint.org/
Derzeit findet auch beim Spiegelfechter eine Diskussion dazu statt:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/696/35-liter-fur-eine-tasse-tee
Ich bin dort am Nachdenken darüber, wie der normale Verbraucher an Informationen kommen könnte.

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